Gefahren
in der Wildnis
Bevor man ein fremdes Land bereist, sollte man sich mit den potenziellen
Gefahren desselben vertraut machen. Schaden kann es nicht und vielleicht
lernt man ja auch was dabei. Und die Rede soll hier nicht von Überfällen,
Entführungen und Kopfschmerzen wegen Alkoholmissbrauch sein,
sondern von den Gefahren die in der Wildnis lauern. Schließlich
will ich auf dieser Seite ab und zu auch mal Nützliches Schreiben.
Sonst denken nachher alle, auf Irland machen die gar nix außer
Unfug. Das ist zwar nicht völlig falsch, aber ganz so schlimm
sind wir auch nicht.
Da sich das Wetter in den letzten
Wochen mal wieder mal von seiner irischsten Seite zeigte, ich quasi
also nix anderes zu tun hatte, stürzte ich mich in die Arbeit
und recherchierte in monatelanger Kleinarbeit, welche Gefahren uns
in freier irischer Wildbahn denn so erwarten. Das Ergebnis überraschte
mich schon etwas und so will ich euch die Früchte dieses investigativen
Marathons nicht länger vorenthalten.
Wie sieht es also mit wilden Tieren und dergleichen auf der Grünen
Insel aus?
Historisch
betrachtet zunächst einmal gar nicht so schlecht, bis zur Ankunft
des heiligen Patricks jedenfalls. Dem Hörensagen nach soll der
als eine seiner ersten Amtshandlungen die Schlangen von der Insel
vertrieben haben, sprich mit gespaltener Zunge zischelt hier nichts
mehr. Vom Standpunkt des Safaritouristen auf der Suche nach dem finalen
Kick mag das schlecht sein, ich persönlich bin allerdings gar
nicht so böse drüber. Ich habs net so mit Schlangen.
Was mich allerdings mal interessieren
würde ist, wie das wohl damals vor sich ging. Ich meine, ist
der heilige Patrick mit dem Bischofstab durch die Büsche gezogen
und hat die armen Schlangen vor sich hergetrieben? Mir kommt das ja
etwas portugiesisch vor, ganz metaphorisch gesprochen meine ich. Schlangen
sind ja nicht unbedingt Herdentiere und wenn ich mich recht entsinne
auch taub wie ein Maulwurf. Wie hat er das gemacht und vielleicht
noch viel interessanter: Wo hat er sie eigentlich hingetrieben? Nach
England?
Ich
glaube ja, dass man uns hier einen Pudel aufbinden will und dass die
ganze Nummer eigentlich ganz anders ablief. Es wäre ja nicht
die erste Legende, die wir hier auf "Irland
Reise" falsifizieren und gnadenlos demontieren. Ich denke,
"Vertreiben" ist die etwas euphemistische Ausdrucksweise
für "er hat sie alle plattemacht" und aus den Schlangenhäuten
haben sich die Iren Schlangenlederstiefel machen lassen, mit denen
Sie nachher den bösen Engländern in den Anus getreten haben
und deshalb wurde er zum Nationalheiligen ernannt. Dann wird das nämlich
auch plausibel.
Man
stelle sich das einmal vor. Da kommt irgendein dahergelaufener und
zu allem Überfluss auch noch britischer Wanderprediger nach Irland
und löscht einen ganzen Seitenarm der Evolution aus. Da würde
man ihn – es sei denn er ist Chuck Norris und wem das jetzt
gar nichts sagt schaut bitte mal hier: Chuck_Norris
– ganz sicher nicht zum Helden erklären sondern dem
antiken Seitenarm von Greenpeace melden. Ich weiß natürlich
nicht, ob die damals schon so hießen, aber gegeben hat es die
bestimmt.
Ich habe ja gehört respektive gelesen, dass im Lichte neuerer
Erkenntnis es wohl doch so sei, dass es nie Schlangen in Irland gegeben
hätte und die Vertreibung eher metaphorisch zu verstehen ist.
So stand es jedenfalls in einem dieser ominösen Fachblätter
für Nerds.
Lesen
heißt natürlich nicht glauben, den überwiegend häretisch
konfessionierten Elfenbeinturm- bewohnern traue ich nämlich per
se nicht. Die kommen immer mit solchem Schnurz und behaupten zum Beispiel
auch, dass die Erde eine Kugel wäre. Und dass das grober Unfug
ist, ist meiner Meinung nach hinreichend geklärt. Es ist ja nicht
so, dass 60 Prozent der Amerikaner inklusive ihres Präsidenten
Vollidioten sind. Wenn die glauben, dass die Bibel wörtlich zu
verstehen ist, glaube ich das auch.
Was wir auf jeden Fall festhalten können ist, dass a) wer mit
den Schlangen kriechen will in Irland nicht viel Gesellschaft hat
und b) uns Normalsterblichen, die wir vor Schlangen aller Art Angst
oder zumindest Respekt haben, keinerlei Gefahr droht. Fein.
Zurück
zum Thema. Was gibt es sonst für gefährliche Wildtiere,
vor denen man sich ich acht nehmen muss oder sollte? Ich habe da mal
eine kleine Umfrage unter meinen Bekannten gestartet. Das Ergebnis
dieser Surveys war mehr als bemerkenswert. Eine überwältigende
Mehrheit der Befragten ist sich sicher, dass Löwen, Panther und
Säbelzahntiger seit der letzten Eiszeit nicht mehr gesehen wurden,
demzufolge also auch keine ernsthafte Bedrohung mehr darstellen.
Immerhin noch 71,457 Prozent der drei Befragten erklärten außerdem,
dass sie sich relativ sicher seien, dass sämtliche einst hier
heimischen Großbären während der letzten großen
Hungersnot nach Kanada ausgewandert sind. Die Chance, während
eines Campingurlaubs auf einen zum Beispiel Grizzly zu stoßen,
wurde demnach als geringer bewertet, als die Chance am St. Patricks
Day einen nüchternen Iren zu finden. Damit kann man diese Gefahr
als gebannt betrachten und ich muss offen und ehrlich sagen, dass
ich seitdem wesentlich ruhiger schlafe.
OK, da bleiben also noch Spinnen, Vögel, Insekten, Fische und
Kobolde.
Wenn man nicht gerade mit einem toten Kaninchen auf dem Kopf herumläuft,
ist die Gefahr von Eulen oder einem der hier heimischen Falken attackiert
zu werden eher gering, zumindest glaube ich das. Ganz anders sieht
das bei Möwen aus. Denen sollte man aus dem Wege gehen, die Gesellen
sind nämlich nicht zu unterschätzen. Wir hatten da jedenfalls
eine Begegnung, die mein Vertrauen in die Harmlosigkeit dieser eigentlich
als freundlich geltenden Flugtiere nachhaltig erschütterte. Das
Ganze begab sich auf "Irelands Eye", einem bekanntes
Vogelschutzgebiet.
Man
erreicht die kleine Insel von Howth aus. Wenn das Wetter
es erlaubt, kann man mit einem Boot übersetzen und ein wenig
umherstreifen. Selbiges taten wir und kamen, während wir so streiften,
einem Nest zu nahe, das vermuten wir jedenfalls. Urplötzlich
fingen die Möwen an, uns zu attackieren. Sie begannen im Sturzflug
auf uns niederzustoßen, machten dabei einen ohrenbetäubenden
Krawall. Auch wenn sie kurz über unseren Köpfen abdrehten,
war es alles andere als angenehm und wir suchten allerschnellstens
das Weite. So kann es einem harmlosen Wanderer ergehen.
Was haben wir aus unserer Begegnung
mit dem Federvieh gelernt? Eigentlich nichts außer das, sollte
ich mich jemals zum Ornithologen umschulen lassen, ich als erstes
einen Helm erwerben werde. Wirklich gefährlich sind die einheimischen
Vögel also nicht, aber das hatten wir eigentlich auch nicht erwartet
oder?
Kommen wir zu einer Gruppe, bei der schlechtes zu unterstellen eigentlich
schon zum guten Ton gehört. Arachniden haben einen miserablen
Ruf unter Paranoikern und Arachnophoben und das natürlich völlig
zu Recht. Der Name Arachniden stammt übrigens aus der griechischen
Sage. Die ebenso kunstfertige wie hochmütige Weberin Arachne
forderte darin die mächtige Göttin Athene zum Wettstreit
heraus. Wie in solchen Fällen üblich endete es damit, dass
die Göttin sauer wurde und ihren Unmut an der Sterblichen ausließ.
Sie bespritze sie mit etwas Zauberwasser und verwandelte die kesse
Weberin in eine grottenhässliche Spinne. So oder so ähnlich
war das also.
Das ist natürlich nicht der einzige Grund, warum die meisten
Leute keine Spinnen mögen. Die kleinen Krabbler sind giftig und
auch wenn die meisten Vertreter völlig harmlos sind, bleiben
uns halt immer die Geschichten in Erinnerung, wo der Bekannte eines
Bekannten mal jemanden getroffen hat, der seinerzeit dabei war wie
jemand anders seinem Kumpel erzählt hat, wie er von einer Spinne
gebissen wurde und fast sein Bein verlor. So etwas prägt.
Was mich allerdings viel mehr gegen
Spinnen eingenommen hat, ist die Tatsache, dass vor denen sogar Australier
Angst haben und das will was heißen. Schließlich schwimmen
die mit Krokodilen und Haien, wohnen in einem Land wo sogar die Blümchen
Giftzähne haben.
Mein alter australischer Kumpel –
ich hab jetzt leider seinen Namen vergessen – jedenfalls haben
wir in einer lauen Sommernacht zusammen gesessen und er hat ein paar
Geschichten zum Besten gegeben aus der alten Heimat. Dieser mein guter
Kumpel ohne Namen hatte jedenfalls vor nichts Angst außer vor
Spinnen. Und es waren nicht etwa die großen haarigen, vor denen
er Angst hatte, sondern die kleinen fiesen, die sich im Stiefel verstecken
und dann zubeißen. Wenn man da nicht schnell genug beim Arzt
ist …
Nun ja, ich glaube eigentlich nicht, dass es in Irland heimische Killerspinnen
gibt, allerdings – und das hat mir ein Freund erzählt,
der den Nachbarn von dem kannte, der die Geschichte ursprünglich
von einem Kumpel gehört hatte, das Ganze ist also verbürgt
– nun also der erzähltem mir, wie dieser Typ in seinem
Schuppen hinten im Garten wirtschaftete und im Dunkeln biss ihn irgendetwas.
Nennen wir den Entrümpler der Einfachheit halber mal Paddy, er
dachte sich jedenfalls nichts dabei und rümpelte weiter. Allerdings
bildete sich bald ein schwarzer Fleck um den Biss und es tat mörderisch
weh. Es tat sogar so weh und es sah so fies aus, dass Paddy anstatt
die Sache bei einem Guinness zu überdenken, wie das jeder anständige
Ire tun würde, zum Arzt ging. Und der guckte nicht schlecht,
weil so etwas hatte der auch noch nicht gesehen.
Ich kann mich jetzt nicht mehr an
den genaueren Verlauf der Ereignisse erinnern, schließlich hat
man mir diese Anekdote im Pub erzählt, aber es stellte sich heraus,
dass Paddy von einer Spinne gebissen worden war und das Ganz fast
mit dem Leben bezahlt hatte. Er hatte Glück, dass sie irgendwann
einen Tropenmediziner auftrieben, der den Biss richtig diagnostizierte.
Paddy überlebte, allerdings war er schwer gezeichnet und unter
den Nachwirkungen dieser Begegnung leidet er dem Vernehmen nach noch
heute.
Die Spinne war wahrscheinlich mit
einem Bananendampfer oder so nach Irland gekommen, ganz sicher kann
man sich also niemals fühlen. Die Globalisierung macht halt auch
vor Spinnen nicht halt.
John
Blackwall listete in seiner "History of the Spiders of Great
Britain and Ireland" 340 verschiedene Arten und darunter
war glaube ich keine einzige Mördergiftspinne mit Haaren an den
Beinen. Ob es dabei geblieben ist, kann ich nicht sagen, schließlich
wurde das Buch Mitte des 19. Jahrhunderts veröffentlicht. Insgesamt
schätze ich die Gefahr durch die Achtbeiner als eher gering ein,
solange man sich von dunkeln Schuppen fernhält jedenfalls.
Das war jetzt schon ein wenig gruselig, kommen wir lieber wieder zu
etwas Angenehmen. Ich persönlich halte die Gefahren, die uns
im Meer lauern ja für eher irrelevant, schließlich ist
das Wasser so kalt, dass man da eh nicht reingeht, trotzdem möchte
ich der Vollständigkeit halber sagen, dass es sie gibt. Nun sind
Fische per se ja nicht besonders schlau, mal abgesehen von Haien vielleicht.
Die wissen also nicht, dass man Menschen nicht essen soll, weil sonst
die rachsüchtige Verwandtschaft kommt und schlimmstenfalls den
ganzen Stamm ausrottet. Wenn ihr also im Meer schwimmt und einen großen
Fisch seht, schnell abhauen. Die größere Gefahr hier sind
ohnehin die Strömungen. Wenn ihr also unbedingt ins Wasser müsst,
bitte nur an gekennzeichneten Stränden und niemals allein. Wenn
ihr mit dem Kutter aufs Meer fahrt, nehmt euch immer einen erfahrenen
Skipper mit. Leider passieren jedes Jahr wieder Unfälle.
Kommen wir zu unseren Freunden den Insekten. Obwohl das Wetter normal
eher nicht so dolle ist und es auch an Wärme fehlt, findet sich
auf Irland eine durchaus prächtige Gemeinde blutsaugerischer
Moskitos. Bekannt sind sie unter dem Namen Midges. In kleinen
Gruppen von circa Zichtrillionen Individuen stürzen sie sich
auf alles Warmblütige, was sich zufällig in der Nähe
aufhält. Es ist wahrlich keine Freude, das kann ich bestätigen.
Außerdem sind die kleinen Sauger so winzig, dass sie durch das
Gitter des Moskitonetzes von euren Zelten passen. Ja da kommt Freude
auf. Gegen die Viecher hilft eigentlich nur Autan und viel Alkohol.
Da merkt man es nicht, wenn sie einen malträtieren. Midges sind
übrigens einer der Gründe, warum ich im Sommer kaum noch
an die Westküste fahre. Der andere sind natürlich die vielen
Touristen. Die mögen meistens harmlos sein, aber da wollen wir
nicht stören.
Insekten sind eine Plage, meist aber nicht besonders gefährlich.
Ganz anders sieht die Sache bei Kobolden aus. Irland ist ja bekannt
für seine hohe Dichte an Leprechauns, der lokalen Spielart des
gemeinen Trolls oder auch Giftzwerg. Denen sagt man so einiges nach,
zum Beispiel dass sie griesgrämig und geizig sind. Vor allem
aber haben sie am Fuße des Regenbogens ihren Topf mit Gold versteckt
und da verstehen sie keinen Spaß. Wenn ihr also zufällig
einen Topf mit Gold findet, bloß nicht anfassen. Leprechauns
gelten zwar als relativ harmlos, ich bin mir da aber nicht so sicher.
Ich weiß nicht, ob ihr mir für diesen Tipp mal dankbar
sein werdet, doch wenn ihr mit einem von diesen Giftzwergen in Streit
geratet, am besten ins Wasser schmeißen. Das ist praktisch das
einzige Mittel gegen Kobolde, hab ich jedenfalls gelesen. Ach ja,
und immer schön sicherstellen, dass es sich tatsächlich
um einen echten Kobold handelt. Die meisten Iren sind nämlich
nicht besonders groß und manche von denen sehen auch etwas trollig
aus, also schön aufpassen, wen ihr da ins Wasser schmeißt.
Nicht, dass ihr am Ende Ärger kriegt.
Und jetzt fragt ihr euch sicher, warum dieser Artikel nicht unter
nützliche Informationen gelistet ist. Wo ich so darüber
nachdenke, ich mich auch.
letztes Update: 06-08-2007 ....................hosted
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